Wem gehört der Cannstatter Bahnhof?

März 22, 2013

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Wagenhallen-Filiale contain’t feiert Richtfest in Cannstatt

Oktober 12, 2012

Spaziergangswettbewerb der flanerie

Oktober 12, 2012

Liebe Spaziergängerinnen und Spaziergänger, werte Flanierende,

es ist wieder so weit! Der Sommer neigt sich zu Ende und der diesjährige dritte Spaziergangswettbewerb ermöglicht es euch eure bisherigen Wegstrecken, ergangene Gedanken und erlaufene Erkenntnisse zu reflektieren, beziehungsweise die Auslobung zum Anlass zu nehmen ganz neue Erfahrungen zu machen. Anbei findet ihr die Auslobung, eine Einladung zur Teilnahme und Informationen zu Jury und Stichtag:

SPURENLESEN

„Die Erzählungen über Orte sind Basteleien, Improvisationen, die aus den Trümmern der Welt gebildet werden“ [1]: Dieses Jahr geht es in Anlehnung an den Text „Gehen in der Stadt“ von Michel de Certeau um das Spurenlesen: Eine Stadt ist ein Konstrukt, das sich aus unendlich vielen eigenen, angeeigneten und fremden Erinnerungs- und Wahrnehmungsfragmenten zusammensetzt. Diese Fragmente hinterlassen Spuren, in der Stadt, aber auch in der/dem Gehenden. Manche entstehen erst durch den Erfahrungsschatz, die Neugier und das Wissen der Person, die den Raum durchschreitet. Mit jeder Person, die den Weg säumt, teilt, quert, reichert sich dieser Erinnerungsschatz ein Stück weiter an; Konstellationen und Geschichten entstehen.

Das eigene Innere verbindet sich in Gedanken mit dem fremden Äußeren und sucht nach Entsprechungen, aus denen sich eine räumliche Identität formt. “Verblüffend dabei ist, daß lebendig wahrgenommene Orte so etwas wie die Gegenwart von Abwesendem sind. Das, was sich zeigt, bezeichnet, was nicht mehr ist: „Sehen Sie, hier gab es …“, aber es ist nicht mehr zu sehen. Die Demonstrativpronomen sprechen die unsichtbaren Identitäten des Sichtbaren aus: der Ort wird gerade dadurch definiert, daß er aus den Reihen dieser Verschiebungen und Wechselwirkungen zwischen den zerstückelten Schichten, aus denen er zusammengesetzt ist, gebildet wird[…].“ [2] Ort für Ort reiht sich auf diese Weise aneinander und mit ihnen unzählige Geschichten.

Welche Erinnerung oder Geschichte bringt Euch in Bewegung, welchem Impuls folgt Ihr durch die Stadt und wie lassen sich diese, Eure persönlichen Erinnerungswege nachzeichnen; was ist des Erinnerns würdig und wie soll mit den Erinnerungen umgegangen werden – chiffrieren, konservieren, gedenken, vergessen? „Die Zersplitterung der Erzählungen ist bereits ein Hinweis auf die Zersplitterung des Erinnerungswürdigen. Das Gedächtnis ist in der Tat ein Anti-Museum: es ist nicht lokalisierbar.“ [3]

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Mit diesem Thema wollen wir euch anregen sich auf den Weg zu begeben und der Stadt zu öffnen. Erfahrungen mit und in der Stadt zu machen, persönliche Wege zu erschließen und den Spaziergang unter den eigenen Füßen – getreu dem Motto „der Weg entsteht beim Gehen“ – zu finden. Der Zufall spielt hier eine große Rolle, ebenso wie die subjektive Wahrnehmung: “Je mächtiger das Begehren ist, die Stadt zu sehen und zu begreifen, desto größer ist die Intensität ihrer Zeichen.” [4]  Diese Zeichen gilt es zu finden, sie in einen Zusammenhang zu bringen und etwas persönliches daraus abzuleiten, seien es Geschichten, Erinnerungen, eine Bemerkung, ein Bild, eine Begegnung oder eine Erkenntnis. Was sagt die Stadt, welche Überaschungen hält sie für uns bereit, was wird sichtbar, das bislang verborgen war? Folgt eurer Neugier und eurem Interesse und lasst uns und andere an euren Erfahrungen teilhaben.


[1] de Certeau, Michel: Die Kunst des Handelns, Merve, Berlin, 1988, S.203.
[2] de Certeau, Michel: Die Kunst des Handelns, Merve, Berlin, 1988, S.205. Siehe auch Döblin, Alfred: Das Gesicht der Stadt – Geleitwort zu Bucovich, Mario von: BERLIN, Albertus, Berlin, 1928.
[3] ebenda: S.205.
[4] Jeudy, Henri-Pierre: Stadterfahrungen, Merve, Berlin, 1998.

Teilnahmebedingungen: Der Wettbewerb richtet sich primär an Privatpersonen die nicht-kommerziell und nicht-professionell Spazieren oder Flanieren. Jede/r die/der Freude an Entdeckungen hat, die sich nur durch die Tätigkeit des aufmerksamen Spazierens erschließen lassen ist herzlich eingeladen am Wettbewerb teilzunehmen. Wer sich gerne inspirieren lassen möchte kann sich hier die Siegerbeiträge des letzten und hier des vorletzten Jahres anschauen.

Einreichung: Wir freuen uns auf Texte, die nicht länger als ein bis zwei Din A4 Seiten lang sein sollten. Wer möchte kann gerne zusätzlich einen Wegeverlaufsplan oder Photos anfügen. Spaziergangsartefakte können mehrere Seiten umfassen, sollen aber als ein kompaktes PDF eingereicht werden. Dieses Dokument schickt ihr uns per Mail an die Adresse stadtstadtstadt bei web de (bei größeren Daten bitte z.b. auf wetransfer hochladen und den Download-Link an uns schicken).

Einsendeschluss ist der 15. November 2012. Die Jury tritt im Lauf des November/Dezember zusammen und fällt eine Entscheidung. Die Gewinner werden bis spätestens Mitte Januar ermittelt und persönlich benachrichtigt.

Jurierung: Die Auswahl der Siegerspaziergänge wird von einer unabhängigen Jury getätigt. Mitglieder sind Eva Maria Epple („Berlin-FlaneurInnen“ ehemals Bürgerprojekt „20 grüne Hauptwege Berlin“), Werner Pregler (LeoParts Nürnberg), Tina Saum (flanerie Stuttgart) und Karsten Michael Drohsel (mikromakro und urbanophil Berlin). Die Jury legt vor der Auswahlsitzung ihre Kriterien fest, eine Begründung der Juryentscheidung erfolgt nicht. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Prämierung: Es werden drei Spaziergänge als Siegerbeiträge ausgewählt. Sofern diese in Berlin durchführbar sind, können diese zusammen mit den letzten Siegerspaziergängen am für das kommende Frühjahr geplanten Spaziergangswochenende begangen werden. Es sind aber auch ausdrücklich Spaziergänge aus anderen Städten erwünscht, wobei die gemeinsame Realisierung dann nur nach Absprache erfolgen kann.

Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr den Wettbewerb weiterreichen und/oder über eure Blogs und Verteiler posten könntet. Alle Informationen findet ihr unter www.metastadt.wordpress.com Für Rückfragen stehen wir selbstverständlich gerne unter stadtstadtstadt bei web de zur Verfügung.

Herzliche Grüße

Karsten Michael Drohsel, Eva Maria Epple, Werner Pregler, Tina Saum

Stickarbeiten in der Stuttgarter Innenstadt

Mai 11, 2012

Urban Crafting, Strick Guerrilla oder Urban Knitting, eine weitere Form der Street Art  scheint jetzt auch in Stuttgart angekommen zu sein. Heute morgen habe ich diese beiden Stickarbeiten im Oberen Schlossgarten und unweit des Schlossplatzes entdeckt. Laut Wikipedia sollen auch im Kontext des Widerstandes gegen Stuttgart 21 Handarbeiten auf dem Bauzaun aufgetaucht sein, was sehr wahrscheinlich ist. Ihren Ausgang nahm die Präsentation von Handarbeit im öffentlichen Raum 2005 in Texas. Die feministische Do-it-yourself-Bewegung versucht dort seit einigen Jahren die etwas angestaubten weiblichen Tätigkeiten, wie Stricken, Häkeln, Sticken etc. umzukodieren und genderpolitisch aufzuladen. Stricken als subversive Tätigkeit pflegte auch die erste Generation der Grünen als sie in den 80er Jahren in  die Landtage und den deutschen Bundestag einzogen. In Cannstatt wird dieses Handwerk eher im traditionellen Kontext gepflegt und mit karitativer Samaritterlichkeit verknüpft. In der Küferstraße in Esslingen sollen sich auch zwei umstrickte Laternenpfähle befinden.

    

Indianerromantik auf dem Bauzaun

Mai 10, 2012

Ein neu angebrachtes Schablonengraffito auf dem Stuttgart 21-Bauzaun im Mittleren Schlossgarten bedient sich eines, in der Umweltbewegung herumgeisternden Spruches aus den 1970er und 1980er Jahren, der angeblich auf eine Weissagung der Cree zurückgeht. Tatsächlich war dieser Spruch eine Erfindung des Filmregisseurs Ted Perry.
Der edle Wilde, der im Einklang mit seiner Umwelt lebt, hat sich längst als Illusion, als Exotismus und als westliche Indianerromantik erwiesen. Unlängst erschien eine aufschlussreiche Radiosendung zur deutschen Indianerromantik im Kontext von ’68 und Karl May: Zwischen Winnetou und Che Guevara

Zahlreiche Paraphrasen dieses Spruches lassen sich im Internet finden, möglicherweise ist dieser etwas angemessener:

Erst wenn das letzte Land verscherbelt,
das letzte Krankenhaus privatisiert,
die letzte Fabrik verlagert,
der letzte Bäcker übernommen und
das letzte Auenland betoniert wurde
werdet ihr feststellen,
daß man Aktienkurse nicht essen kann.
(Killerzins, Plutokratie ist keine Lösung!)

Schritt für Schritt

Mai 5, 2012

„Es geht auch anders aber so geht es auch“ (Bert Brecht)

Es geht auch gemütlich treppab. Der Hut auf dem Kopf deutet auf frühere Zeiten hin, als flanieren und spazieren noch eng an ein intensives eigenleibliches Spüren und Wahrnehmen der Außenwelt gekoppelt war.

Fundstücke im öffentlichen Raum

Mai 3, 2012

Stadtverschönerung auf einer Sand- und Rollsplittkiste des Amtes für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung, unweit des Cannstatter Wasens.

Dem Glück auf der Spur

Mai 3, 2012

Habe ich gerade gefunden:

AUFRUF AN ALLE SPAZIERGANGSBEGEISTERTEN!!
Jane’s Walk zum Thema „Glück in der Nachbarschaft“
05. Mai & 06. Mai – LOSLAUFEN!

Wir schwärmen aus in die Straßen Stuttgarts und wählen ein Prinzip der Glückssuche, das mindestens genauso Erfolg versprechend ist wie jedes andere: Wir lassen uns leiten vom GLÜCK der Straßennamen. Mit Stadtplänen bewaffnet starten wir gemeinsam in einer Straße, die mit dem Buchstaben „G“ beginnt: der Geißstraße – Treffpunkt kann natürlich nur der Hans-im-Glück-Brunnen sein! Hier legen wir zusammen mögliche G-L-U-E-C-Ksrouten mit einem gemeinsamen Endpunkt fest, die alleine oder mit anderen erkundet werden können. Der Endpunkt ist in der Königstraße…

Wann: Sonntag, 06. Mai 2012 / 14 Uhr (Dauer: ca. 2 Stunden)
Wo: Geißstraße; Treffpunkt: Hans-im-Glück-Brunnen
Bitte bringt eure eigenen Stadtpläne mit! Danke!
KONTAKT und weitere Informationen
flanerie: Dem Glück auf der Spur
E-Mail: dieflanerie@gmail.com

Wie chemische Altlasten und Stuttgart 21 unser Mineralwasser gefährden

April 20, 2012

Die Industrialisierung hat auch in Stuttgart ihre chemischen Spuren hinterlassen. Diese chemischen Altlasten, wie flüchtige Chlorkohlenwasserstoffe, vor allem die krebserregenden und schwerabbaubaren Stoffe TRI und PER gefährden das Grund- und Mineralwasser. Von den Verunreinigungen betroffen sind sowohl oberflächennahe als auch tiefere Grundwasserstockwerke in Stuttgart.

Im Jahr 2010 wurde das Grundwasser-Untersuchungsprojekt, der MAGPlan, für 3,2 Mio.€ von der Stadt Stuttgart initiiert, um die Altlasten in den grundwasserführenden Schichten gründlich zu untersuchen. 2014 soll das Projekt beendet sein. Obwohl diese Untersuchung noch nicht beendet ist, sind im Zuge von Stuttgart 21 tiefgreifende Eingriffe in die Grund- und Mineralwasserschichten im Gange.

Seltsamerweise kam dieses Thema bei der sogenannten Schlichtung nur am Rande zur Sprache, obwohl es ein Ko.-Kriterium für das Projekt hätte sein können.

Mehr Licht ins Dunkel brachte Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Chem. Erwin Thomanetz bei einer Veranstaltung im Cannstatter Bezirksrathaus.

Die Veranstaltung ist ausführlich dokumentiert auf dem VideokanalCams 21 und die Presseerklärung „Gefährdung der Stuttgarter Mineralquellen“ von Erwin Thomenetz

Fluchtartig in den Untergrund

April 20, 2012


Warum die Person auf dem Piktogramm fluchtartig in den Untergrund absteigt, lässt sich nicht eindeutig klären. Ist die Hinweistafel dem beschleunigten Gehen in der Stadt geschuldet? Rechnet die Person mit einem Angriff von Oben? Gibt es dort einen Bunker? Oder ist es der beschleunigte Abstieg, der uns mit der Finanz-und Verschuldungskrise droht?